9. Tag: Besuch der Ortschaft Thame und Thame Gompa
Unser Ziel war heute die einsam schön gelegene Siedlung Thame in 3.800 Meter Höhe.

Nach Norden verläuft der historisch bedeutsame Handelsweg über den 5.716 m hohen "Nangpa La-Pass" nach Tibet. Noch heute findet über den Pass ein kleiner Handelsverkehr mit Yak-Karawanen statt.
Wir nahmen uns für den mit ca 4 Stunden veranschlagten Weg viel Zeit. Ein kurzer steiler Abstieg kurz vor Thame führte uns in eine wilde Schlucht. Diesmal keine Mani-Steine am Wegesrand, sondern bunte Felsmalereien.

Kazi erzählte uns unterwegs Interessantes vom Wasserkraftwerk in Thame. Thame hat nämlich das große Glück, mit Energie versorgt zu werden. Nur 15 % der Haushalte in Nepal haben Strom. Aber in Thame wurde in den 70er Jahren mit finanzieller Hilfe Österreichs ein Klein-Wasserkraftwerk (600 KW) gebaut. Gespeist wird es von dem kleinen Bergsee in Thame. Das Kraftwerk versorgt 11 Dörfer und das Kloster.

Aus Thame kommen viele Everestbesteiger. Es gibt keinen Ort auf der Welt, der mehr Everestbezwinger aufweisen kann, als Thame. Der Berühmteste ist "Apa Sherpa". Apa Sherpa hat insgesamt 13 Everestbesteigungen vorzuweisen, die letzte am 26. Mai 2003. Damit hält er den Rekord am Mt. Everest.
Apa Sherpas "Everest Summiteer Lodge" in Thame gilt als Glückshaus. Hat ihr Bau 1996 doch verhindert, dass er sich der tragischen Everestexpedition anschloss, bei der 8 Menschen den Tod fanden.
Bei der Tragödie am Everest im Jahre 1996 sollte nämlich Apa Sherpa in Rob Halls Team als Sidhar fungieren. Er sagte aber wegen seinem Lodge-Bau ab. Das war sein Glück, denn es rettete ihm wahrscheinlich das Leben.
Kazi führte uns zu Apa Sherpa's Lodge, wo wir Tee trinken und seine persönlich signierten "Top Of The World" Postkarten kaufen konnten.
Apa Sherpas "Everest Summiteer Lodge"
Hinter der "Everest Summiteer Lodge" liegt das ehemalige Haus von "Tenzing Norgay", dem Erstbezwinger des Mt. Everest. In dem alten Steinhaus verbrachte er seine Kindheit und Jugend.
Haus von "Tenzing Norgay" Schön geschmücktes Dach in Thame!
Weiter ging es auf dem mit Tschörten und Manimauern gesäumten Weg zum 4.000 m hoch gelegenen buddhistischen Kloster Thame aus dem 16. Jahrhundert.
Kloster Thame, Pilgerort am Handelsweg nach Tibet unter dem Nangpa-Pass liegt märchenhaft in einer Felswand über lichtem Wald. Die Gompa schmiegt sich hoch über dem Fluß wie ein Adlerhorst an die Felswand. Die Gottesburg gilt als eines der ältesten Bauwerke im Khumbu, sie wurde vor ca 350 Jahren errichtet.
Die Klostermönche gehören teilweise zum Rotmützenorden und teilweise zum Gelupka Orden der Gelbmützen. Der Orden der Rotmützen wurde im 8. Jahrhundert gegründet, der den Buddhismus nach Tibet brachte. Die Geistlichen dürfen, im Gegensatz zu den Gelbmützen, sogar heiraten.
Die letzten Stufen zum Kloster sind recht anstrengend, dafür bietet sich uns beim Eintritt in den Klosterhof ein unwahrscheinlich schöner Anblick. Die Gompa im warmen Ziegelrot mit den bunten Fenstern sieht einfach prächtig aus. Hinter den Klostermauern verbirgt sich der wohl großartigste sakrale Versammlungsraum des Khumbu, wenn nicht ganz Nepals.
Nachdem wir die Schuhe ausgezogen haben, dürfen wir die Innenräume besichtigen. Berühmt für seine uralten kostbaren Thangkas (Meditationsrollen Bilder) bietet der Besuch ein Kultur-Higlight vor höchstem Rang.
Das Panorama vom Kloster auf die Gipfel ist atemberaubend. Sogar der Achttausender "Cho Oyu" zeigt sich in seiner erhabenen Pracht.
Ich kann gut verstehen, dass sich die Mönche hier den Göttern ganz nahe fühlen.
Kloster Thame
Kurz hinter dem Kloster Thame war unser 1. Zeltplatz aufgeschlagen. Die Küchenmannschaft, 6 stets gut aufgelegte Sherpas, erwartete uns bereits mit dem Mittagessen im Gruppenzelt. Es wurde gezaubert, sogar ein im Topf gebackener Kuchen kam auf den Tisch.
Die 7 Gipfelaspiranten auf den 5.377 m hohen "Sumdar Peak" blieben nach dem Lunch in Thame und wechselten dort für eine Nacht das Bett der Komfortlodge mit Schlafsack, Isomatte und Zwei-Mann-Zelt.
Die übrigen drei aus unserer Trekkinggruppe, darunter ich (ich traute mir die Fünftausender-Überschreitung nicht zu), kehrten am Nachmittag in Begleitung eines unserer englischsprechenden Guides zur "Everest Summit Lodge Mende" zurück.
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