4.Tag: Sichtflug nach Lukla

Morgens, 4.30 Uhr, Wecken.
Erstaunlich, dass ein großer Teil unserer Gruppe zu dieser unchristlichen Zeit bereits frühstücken konnte.
Die Busfahrt zum Flughafen war abwechslungsreich. Die Nepalis stehen relativ früh auf und so konnten wir das morgendliche Erwachen in den Vororten Kathmandus erleben. Heute begann auch noch der dritte Tag des Neujahrsfestes, der Tag der Kuh, was uns noch zusätzliche Eindrücke bescherte. Die Kühe wurden festlich mit Blumenkränzen geschmückt und auch die Häuser bekamen vom Blumenschmuck etwas ab.

Die Inlandflüge werden in Kathmandu vom alten Flughafengebäude, dass ca 200  Meter vom internationalen Flughafen entfernt liegt, abgefertigt. Am Morgen, wenn sämtliche Trekker am liebsten als Erste eine "Twin Otter", eine 20-  sitzige Propellermaschine, erwischen wollen, geht es an den Abfertigungsschaltern recht chaotisch zu. Die Hektik ist erklärbar, denn die Flugzeuge fliegen nur bei gutem Wetter und zwar an beiden Orten, also sowohl in Kathmandu, als auch in Lukla. Da aber in Lukla ab 10  Uhr meistens Wolken aufziehen, konzentriert sich das gesamte Fluggeschäft auf den frühen Vormittag.

Wir flogen mit Yeti Airlines, die Fluggesellschaft hieß tatsächlich so! In der Abflughalle vermißte ich das stimmungsvolle Wandbild "Destination Paradise" mit der Himalayakette im Hintergrund, welches vor zwei Jahren der Blickfang der Halle war.

Der Flug nach Lukla ist von der Aussicht und den Flugbedingungen ein Erlebnis. Wer einmal mit so einer Twin Otter nach Lukla geflogen ist, wird das so schnell nicht vergessen. Das Flugzeug muß einen ca  5.000  Meter hohen Pass überfliegen und da kein Sauerstoff an Bord ist, kann der Pilot nicht höher gehen. Das heißt, der Flug ist nur bei gutem Wetter und Sicht möglich.
Natürlich waren alle Fensterplätze sofort belegt, aber auch so gab es viel zu sehen. Wir saßen sehr eng. Es gab keinerlei Abgrenzung zum Cockpit und so konnten wir den Flug hautnah miterleben. Die Instrumententafel kaum einen Meter entfernt, der Pilot im Schneidersitz (erlebt 2001), eine freundliche, Bonbon-verteilende Stewardess in der Landestracht, das strahlte so eine heitere Gelassenheit aus - von wegen Todesflug!

Lukla, Einfallstor in's Himalayagebirge liegt an einem Berghang und beim Anflug scheint der Pilot direkt in den Berg hineinfliegen zu wollen.
Die Landebahn ist kurz und 20 Prozent geneigt, so dass landende Flugzeuge gebremst werden und nicht in den Berg knallen, der das natürliche Ende der Landebahn bildet. Nach dem Aufsetzen rollt das Flugzeug auf eine Felswand zu und der Pilot muß die Maschine mit einer starken Rechtskurve ausrollen lassen. Er hat keine zweite Chance, denn ein Durchstarten gibt es nicht. Lukla gilt daher mit Recht als einer der schwierigsten Flugplätze der Welt.
In Lukla treffen in den frühen Morgenstunden Flugzeuge und Helikopter in fast Minutenabständen ein. Alles muß schnell gehen, solange das Wetter hält.
Übrigens, für Start und Landung mit Be-  und Entladen von Mensch und Gepäck braucht so eine Twin Otter gerade mal vier Minuten. Wir haben auf die Uhr geschaut.
Das erzähle mal jemanden in Deutschland!!!

Bei bei der Ankunft in Lukla befindet man sich bereits in 2.850  m Höhe, 1.500  m höher, als Kathmandu. Schon in dieser Höhe kann es zu Fällen der Höhenkrankheit kommen, weshalb man sehr großen Wert auf eine gute Akklimatisierung legen muß, wenn der Trek nicht im Krankenhaus enden soll. Deshalb sollte man das nepalesische Sprichwort -

      "Wer nicht geht wie ein Ochs, der ist ein Ochs",

also immer schön langsam, unbedingt beherzigen.

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