22. Tag: Besuch von Bhaktapur
An unserem letzten Tag in Nepal stand der Besuch von Bhaktapur, wohl die Schönste der drei Königsstädte, auf unserem Wunschprogramm.
Die Altstadt von Bhaktapur bietet mit ihren Pagodendächern und ihrem harmonischen Miteinander aus Holz, dem warmen Rot der Ziegelsteine und Kupfer einen wunderschönen Anblick. Man hat den Eindruck, man befinde sich in einer fernen, vergangenen Welt. Bhaktapur ist im Wesentlichen hinduistisch geprägt. Von der schleichenden Verwestlichung, die man immer mehr in Kathmandu beobachten kann, spürt man hier deutlich weniger. Dem Beton ist es noch nicht gelungen, die traditionelle Ziegelbauweise, der Grundbaustoff der newarischen Städtebauer, zu verdrängen.
Seine gut erhaltenen Straßen und Gassen verdankt Bhaktapur u. a. einem langfristig angelegten deutschen Restaurierungs- und Sanierungsprogramm. Ein Erdbeben im Jahre 1904 hat große Teile Bhaktapurs zerstört. Als Bundeskanzler Helmut Kohl im Jahre 1987 Bhaktapur besuchte, versprach er umfangreiche Hilfe. Diese Gedenktafel erinnert an dieses Geschehen.
Text auf dem Gedenkstein:
"An dieser Stelle stand bis zum Erdbeben im Jahre 1904 ein Mandap aus dem 18. Jahrhundert, der "Pavillon der acht Ecken". In Anerkennung der hohen Baukunst Bhaktapurs überbrachte Bundeskanzler Helmut Kohl im Jahre 1987 die Zusage zum Wiederaufbau als Staatsgeschenk der Bundesrepublik Deutschland an das nepalesische Volk."
Unser erster Weg führte zum Königspalast, dem "Palast der 55 Fenster". Gegenüber dem herrlich geschmückten Ostflügel mit seinen 55 graziösen, holzgeschnitzten Fenstern thront knieend im Gebet auf einer steinernen Säule König Bupathindra Malla, der große Baumeister von Bhaktapur.
Das "Goldene Tor", das "Sun Dhoka" König Bupathindra Malla
Das "Goldene Tor", das "Sun Dhoka", bildet den Eingang zum Königspalast. Es ist aus vergoldetem Kupfer. Seine überwältigende Vielfalt an Formen und Figuren machen es zu einem Meisterwerk der nepalesischen Handwerkskunst. Es ist eines der schönsten und am besten gearbeiteten Exemplare seiner Art in der ganzen Welt

Weiter ging es zum sehenswerten "Kumale Tol", dem Töpferplatz. Der Platz hat sich zur Touristenattraktion entwickelt.
Die Töpfer haben ihre alten traditionellen Arbeitsmethoden beibehalten. Man kann zuschauen, wie sie den Ton noch mit der Hand kneten, einige formen ihre Gefäße sogar noch auf handbetriebenen Töpferscheiben. Die fertigen Gefäße werden dann ein paar Tage in Reih und Glied zum Trocknen in die Sonne gestellt, bevor sie ziegelrot gebrannt werden. Dieser Anblick gibt dem Töpferplatz eine Originalität, die man sonst so schnell nicht wieder auf der Welt sieht.Überhaupt glaubt man sich auf dem "Kumale Tol" in's Mittelalter versetzt. Da sitzen am Rande des Platzes die überaus geschickten Schneider an ihren Nähmaschinen, Frauen sieben Getreide oder stricken Handarbeitswaren aus farbenfroher Wolle, die eine Gasse weiter zum Trocknen auf Gestellen hängt. Dazwischen Flötenverkäufer, Schuster auf dem Gehweg und Händler, man kommt aus dem Staunen nicht heraus.
Ein großes Meisterwerk der nepalesischen Holzschnitzkunst ist das "Pfauenfenster". Es zählt zu den schönsten Fenstern der Welt. Vor fast 6 Jahrhunderten gestaltet, symbolisiert es das Weltreich und die Sonne.
Krishna führte uns auf unseren Wunsch hin zu einem von der UNICEF unterhaltenen international renommierten kleinen Gewerbe-Betrieb zur Herstellung von "Lokta", dem wunderschönen Nepali-Paper. Es wird aus der Rinde eines Busches (Daphne) hergestellt, der im Bergland in einer Höhe von 2000 bis 3000 m wild wächst.
Wir konnten einen kurzen Einblick in die Herstellungsweise des Papiers bekommen. Das Ergebnis ist einfach umwerfend. Das rauhe, aber schön strukturierte Pergament, aus dem sich in bedruckter Form hübsche Postkarten, Briefpapier, Fotoalben, Lampenschirme u. a. herstellen läßt, verführte uns zu manch schönem Kauf. Die Mitbringsel für zu Hause waren gesichert.
Zum Abschluß besichtigten wir noch den anmutigen, fünfstufigen "Nyatapola Tempel", der ganz Bhaktapur beherrscht. Er ist Nepals größte Pagode mit den perfektesten Proportionen. Dieser fünfstöckige Tempel wurde im Jahre 1702 von König Malla auf einem fünfteiligen Sockel errichtet. Auf jeder Plattform steht ein steinerndes Figurenpaar, zwei Elefanten, zwei Löwen usw. und man sagt von jedem einzelnen Paar, es sei zehnmal stärker, als das unmittelbar vor ihm stehende. Das Heiligtum ist der Göttin "Lakschmi" geweiht. Ein wirklich beeindruckender Tempel.
Nyatapola Tempel
Am Nachmittag schlenderten wir noch einmal durch Bhaktapurs kleine enge Gassen und ließen die einmalige Atmosphäre, die diese alte Königsstadt auf einen ausübt, auf uns wirken. Wären da nur nicht die Motorradfahrer mit ihren lauten Maschinen gewesen, die diese heilige Ruhe empfindlich störten.
Vor zwei Jahren, bei meinem ersten Besuch war Bhaktapur noch auto (motorrad-)frei und man kann nur wünschen, dass sich die Stadtoberen wieder besinnen und Bhaktapur zu dem machen, was es ist - eine wunderschöne alte Königsstadt, wo Motorräder nichts zu suchen haben.

Im Hotel Gotavari erwartete uns am Abend noch ein festliches Dinner, bevor gegen 21 Uhr der Bus zum Flughafen startete, wo wir gegen 1.30 Uhr Richtung Heimat flogen. Mit uns flogen all die intensiven Erinnerungen, die man wohl niemals vergessen wird. Es wird Wochen brauchen, um die vielen Eindrücke zu verarbeiten.

Mein Schlußsatz:
"Wegen der Berge bin ich hergekommen, aber es waren die Menschen, die mich so tief beeindruckt haben. Ihre Fröhlichkeit, Herzlichkeit und Gelassenheit werde ich nie vergessen".
"Das Dach der Welt berühren -
100 göttliche Zeitalter genügen nicht,
um die Wunder des Himalaya zu beschreiben!"
Hinduistisches Sprichwort
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