21. Tag: Besichtigungstag in Kathmandu
Der heutige Vormittag war Pashupatinath gewidmet.
Pashupatinath ist Nepals heiligster hinduistischer Pilgerort. Mit seinen unzähligen Tempeln, Verbrennungs-ghats, der rituell Badenden und halbnackten Sadhus steht er ganz oben auf dem Besichtigungsprogramm eines jeden Nepalbesuchers.
Dem Haupteingang des "Pashupati-Tempels", dem Allerheiligsten aller Shiva-Anhänger, galt unser erster Besuch. Wie bei so vielen Tempeln Nepals ist der Eintritt nur Hindus erlaubt.
Auf dem Platz wimmelte es nur so von heiligen Kühen. Schön anzusehen mit ihrem roten Stirnschmuck. Fast jeder Pilger, der den Tempel betrat, berührte erst einmal eine Kuh, bevor er betend weiterging.
Am besten besichtigt man die Anlage zu Fuß entgegen dem Uhrzeigersinn. Wir begannen mit dem "Pancha Deval", bevor wir die übrigen Tempel und die Ghats besichtigten.
Das Pancha Deval mit seinen 5 Kuppeln dient als Altersheim. In einem Flügel ist "Mother Teresa's Missionaries of Charity" untergebracht, der Rest wird von der Regierung betrieben.
Hier handelt es sich einmal nicht um eine touristische Sehenswürdigkeit, sondern hier kann man Nepal mal von einer ganz anderen Seite kennenlernen.
Die Schwestern des Mutter Teresa Ordens tragen die traditionellen weißen Saris mit blauem Rand.
Im Pancha Deval werden alte Menschen, die keine Angehörigen mehr haben, aufgenommen. In Nepal gibt es kein Rentensystem. Die Alten und Kranken werden mit Essen versorgt und erhalten eine Schlafstätte. Das ist so eine Art Nische in den Seitenmauern mit einer Matratze und einem kleinen Bord darüber, wo die persönlichen Habseligkeiten untergebracht sind. Die Menschen erhalten auch medizinische Betreuung.
Der weitere Weg führte uns zu den Tempeln von Pashupatinath, die den Bagmati-Fluß säumen.
Die Hindus verbrennen nämlich ihre Toten. Es ist ein Privileg, am heiligen Bagmati-Fluß verbrannt zu werden. Die Verbrennungszeremonien kann man an den Ghats, den Treppenanlagen am Flußufer beobachten.
Wir konnten sowohl bei einer Verbrennung, als auch bei den ritual Badenden zusehen, wobei wir die Privatsphäre der Badenden und Gläubigen wahrten. Nahezu ohne Unterbrechung werden Verbrennungen durchgeführt, da die Ghats für Angehörige aller Kasten zugänglich sind.
Die Asche wird anschließend in den Fluß gestreut.

Nach einem Jahr besuchen Angehörige noch einmal die Verbrennungsstätte des Toten. Ihm zu Ehren werfen sie Blumenkränze in den Fluß. Die Kränze aus leuchtenden Tagetes kann man vor dem Eingang des Tempels an einen der zahlreichen Blumenstände kaufen.
Kränze aus leuchtenden Tagetes
Mittags besichtigten wir noch einmal den "Stupa von Bodnath". Den Souvenierhändlern entkommt man aber auch hier nicht.

Am Nachmittag stand die alte Königsstadt "Patan" auf dem Besichtigungsprogramm. Die ehemalige Hauptstadt eines mächtigen, unabhängigen Königreichs hat sich ihren eigenständigen Charakter bewahrt. Verglichen mit Kathmandu ist Patan ruhiger, weniger hektisch und mehr buddhistisch orientiert. Patan's poetischer Zweitname ist Lalitpur - Stadt der Schönheit. Und so präsentierte sie sich uns auch.
Besonders der "Goldene Tempel",der angesichts seiner geringen Größe einer der prächtigsten Tempel Nepals ist, begeisterte uns. Auf dem Durbar Square bestaunten wir auch die Figur auf einer Säule, die Yoganarendra Malla darstellt. Eine wütende Kobra reckt sich hinter dem König empor und umgibt ihn wie ein Glorienschein; auf dem Kopf der Kobra sitzt ein vergoldeter Vogel. Der Mythos lebt weiter.
Überhaupt - Patan gleicht mit seinen Pagoden und kunstvoll verzierten Tempeln einem riesigen Museum.

Vor allem aber ist Patan stolz auf seine Kunsthandwerker und seine Künstler. Krishna führte uns am Abend noch zu einem kleinen Kunsthandwerksbetrieb, die Thangkas herstellten. Daran war unsere gesamte Gruppe sehr interessiert. Die tibetanische Kunstform der Thangkas - lebendige und komplizierte religiöse Rollbilder - zeugen von dem buddhistischen Symbolgehalt, der mit dieser Kunstform verbunden ist.
Die Künstler, die diese Thangkas malen, arbeiten nach Standard-Vorlagen, da ein Thangka zur Vermittlung religiöser Wahrheiten und nicht der künstlerischen Entfaltung dient. Mineral- und Pflanzenfarben werden auch noch heute für die wertvollsten Bilder verwendet, aber überwiegend werden Acrylfarben genutzt. Gold als Farbe wird ebenfalls verwendet - oft im Überfluss.
Ein gutes Thangka ist das Ergebnis von hunderten, oft sogar tausenden von Stunden konzentrierter Arbeit.
Krishna führte uns in die Werkstatt, wo die Künstler auf dem Boden hockten und in unendlicher Kleinarbeit die Thangkas erstellten. Da wurde millimeterklein konturiert und getüpfelt, um den Figuren Leben einzuhauchen. Acht bis zehn Stunden dauert so ein Arbeitstag, hart verdientes Geld.
Nachdem wir uns zu einem Thangka-Kauf entschlossen hatten, stimmten wir uns mit Krishna über den Preis ab. Thangkas sind normalerweise sehr teuer. Aber in Nepal wird auch gehandelt, was das Zeug hält. Doch angesichts der mühevollen Arbeit, die wir persönlich beobachten konnten, wollten wir hier nicht als Schnäppchenjäger auftreten. Den Preis von Krishna akzeptierten wir. Nun hängt das Lebensrad bei uns in Berlin an der Wohnzimmerwand und erinnert uns intensiv an Nepal.
Zurück zur Übersicht Weiter