19. Tag: Letzte Trekkingetappe von Monjo nach Lukla
Der letzte Trekkingtag war gekommen. Glücklich, die Anstrengungen geschafft zu haben, waren wir doch ein wenig wehmütig, dass die Tour sich dem Ende neigte. Mit dem Kata, dem gelben Glücksschal aus Seide und guten Wünschen wurden wir nach Landessitte herzlich von der Lodgemannschaft verabschiedet.
Schnell zog sich unsere Gruppe weit auseinander. Einige wollten, nachdem sich unsere Körper an die große Höhe gewöhnt hatten, auf der letzten Trekking-Etappe noch einmal so richtig Gas geben. Paul und ich ließen es anfangs gemütlich angehen, da wir uns Monjo und Phakding in Ruhe ansehen wollten. Wir genossen den Abstieg auf dem Highway Nr. 1 der nepalesischen Trekkingrouten, der einzigen Verbindung zwischen Lukla und Namche Bazar, dem Handelszentrum der Sherpas. Eigentlich ist es gar kein reiner Abstieg, der Weg führte uns in einem ständigen Auf und Ab zu unserem Ziel.
Wir liefen morgens durch Monjo mit seiner saftiggrünen Landschaft, mit Äckern voll prachtvollem Gemüse, genährt vom Dudh Kosi, der das mineralreiche Wasser aus den Hochregionen talwärts bringt. Uns fiel gleich vom ersten Tag an auf, dass die Felder im Khumbu ertragreicher aussahen, als bei uns in der Heimat.

Auf dem Weg nach Phakding begegneten uns auch immer wieder bettelnde Kinder. Eigentlich sollte man an bettelnde Kinder keine Süßigkeiten verteilen, der nächste Zahnarzt ist Flugstunden entfernt. Aber hier erlaubte die Mutter den Traubenzucker für ihr Kind.
Immer wieder beeindruckend, wie einfach die Menschen hier leben, welche Zufriedenheit sie ausstrahlen und welche Freundlichkeit sie uns entgegenbringen.
In Phakding angekommen, nahmen Paul und ich uns Zeit, den Ort, wo ich bereits vor zwei Jahren in der Lodge "Trekkers Holiday Inn" nächtigte, zu besichtigen. Viel hat sich in den zwei Jahren verändert. Links und rechts vom Weg schießen überall neue Lodges wie Pilze aus dem Boden. Aber trotzdem spürt man es Allerorten, es sind wesentlich weniger Trekker unterwegs, als vor Beginn der politischen Unruhen in Nepal.

Man glaubt es kaum, aber wir gerieten doch tatsächlich die letzten Kilometer in den "Himalaya-Marathon" hinein.
Marathon, wer hat sich diese verrückte Strecke nur ausgedacht???
Dieser 5-tägige Lauf über die Tagesetappen von 24, 20, 26, 13 und 17 Meilen ist wirklich nur etwas für ganz Hartgesottene. Dafür entschädigt bei dem Rennen die Aussicht auf Everest, Lhotse, Makalu und Kanchenjunga (4 der 5 höchsten Gipfel der Welt) für die enormen Strapazen, die diese Tour mit sich bringt. Erschwerend kommt noch hinzu, dass die Läuferinnen und Läufer Rucksack, Wasserflaschen - es gab keine Verpflegungs-Points - und ihre Teleskopstöcke selbst tragen müssen. Und das in Höhen von Drei- bis Viertausend Meter mit ständigem Auf und Ab auf unbefestigten Pfaden.
Da die Strecke nicht abgesperrt war, war es eigentlich egal, wer das Feld anführte. Denn spätestens bei den Yak-Kolonnen, die ja bekanntlich Vorfahrt haben, mußten alle ran an die Felsen und warten, bis die Tiere gemächlichen Schritt's vorbei waren. Mit Recht, nur etwas für ganz hartgesottene Individualisten.
Angespornt von den Marathonläufern forsierten Paul und ich die letzten Kilometer nach Lukla unseren Schritt und überholten unsere gesamte Trekkinggruppe. Als ich dann auch noch als Erste (das einzige mal in den 16 Tagen) in Lukla einmarschierte, war das Hallo groß.
Wir erreichten gegen 4 Uhr nachmittags unsere Komfortlodge am Ortsausgang Luklas. Kazi erzählte uns, dies sei die beste Lodge am Platz. Ob es am Nebel oder an unserer Abschiedsstimmung lag, weiss ich nicht, jedenfalls waren wir ziemlich enttäuscht. In der "Tramserku-Lodge" erwarteten uns etwas muffige, aber komfortable Doppelzimmer mit Dusche für 1 Stunde. Trotzdem, kein Vergleich zu unseren drei DAV-Summit-Komfortlodges, es fehlte völlig der Charme, der uns die letzten Tage so verzaubert hatte. Deshalb verschwanden wir nach dem Dinner auch ganz schnell in unseren Betten.
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