12. Tag: Von Mende über Khumjung nach Tashinga
Heute begann unser Trek zur 3. Komfortlodge nach Tashinga.
Am Morgen gab es noch einen herzlichen Abschied vom Lodge-Personal in Mende, wo es uns sehr gut gefiel.

Wir stiegen den sehr steilen Weg nach dem Ort Thamo ab. Unterwegs überrannten uns fröhlich gelaunte Kinder in ihrer sauberen Schuluniform, die Schulbücher trugen sie unter'm Arm. Uns interessierte das Lesebuch, welches sie uns auch stolz präsentierten. Die Schulbücher waren nicht neu, aber gut erhalten. Sie werden mehrere Jahre genutzt. Die Schüler sprachen gut Englisch. Wir dachten zum Abschied noch daran, dass sie am Nachmittag wieder den langen steilen Heimweg antreten mussten. Für die Sherpa-Kinder kein Problem, aber wir wären in dieser Situation an manchen Tagen sicher zu Schulschwänzern geworden.

Die Lunchpause legten wir im 3.760 m hoch gelegenen Syangboche ein. Das Essen in der "Phinjo Lodge" wurde witzigerweise gleich mal durch eine Luke gereicht.

Syangboche, etwas oberhalb von Namche Bazar gelegen, besitzt die höchste Flugpiste Nepals, die mit STOL (Short Take Of Landing) -Flugzeugen frequentiert wird. Der kleine Flughafen darf jedoch nur noch von Hubschraubern benutzt werden, nachdem es mit den kleinen Propellermaschinen einige Unfälle gegeben hat.
Viele Expeditionsmitglieder landen hier oder lassen zumindest ihr Hauptgepäck hier absetzen.
Zur Mittagszeit konnten wir einen russischen Mi 16 Transporthubschrauber bei seiner mächtig Staub aufwirbelnden Landung beobachten.
Das Essen in der "Phinjo Lodge" wurde witzigerweise gleich mal durch eine Luke gereicht Trekker's Idyll
Ein paar Gehminuten von unserer Mittags-Lodge entfernt sahen wir das berühmt berüchtigte japanische "Everest View Hotel".
Viele Japaner quartieren sich hier ein, um einen Blick auf den Everest zu erhaschen. Die meisten werden gleich mit dem Hubschrauber eingeflogen und bekommen dann entsprechend Probleme mit der Höhe. Aus diesem Grund besitzt jedes Zimmer einen Sauerstoffanschluß neben dem Bett. Viele Japaner bleiben nur 1 oder 2 Nächte, machen ihre Fotos von den Bergen und verschwinden dann wieder. Pro Nacht zahlen sie hier oben für das Einzelzimmer 170 $ (Double 270 $), glauben, sie haben das Wichtigste gesehen, haben aber auf Grund fehlender Akklimatisation außer Kopfschmerzen nichts mitbekommen.
Auf unserem Trek begegneten uns aber auch wandernde Japaner. Japaner sind in der Everest-Region am auffälligsten. Sie kamen uns derart ausgerüstet und vor allem vermummt (weißer Mundschutz) entgegen, dass es reichlich albern wirkte.
Der weitere Weg nach Khumjung war spektakulär. Durch einen märchenhaft anmutenden Wald wanderten wir über Syangboche nach Khumjung. Riesige, oft baumhohe Rhododendronbüsche, graugrüne Flechtenbärte an den Bäumen, Ama Dablam und Everest immer vor Augen und über allem ein wolkenloser Himmel. So würden Götter wohl Glück bezeichnen.
Wir hatten in den 16 Trekkingtagen überhaupt riesiges Glück mit dem Wetter. Der Vormittag bescherte uns immer strahlenden Sonnenschein und einen wolkenlosen Himmel, so dass wir die grandiosen Bergsichten genießen konnten. Allem voran auf Ama Dablam, 6.865 m, einen der formschönsten Berge der Welt. Aber auch Everest, Nuptse und Lhotse zogen uns in ihren Bann. Manche waren schon fünf mal im Khumbu, ohne je wegen schlechter Sicht den Everest gesehen zu haben. Aber wer träumt nicht davon, einmal den höchsten Berg der Erde mit eigenen Augen zu sehen. Auf dieser Trekkingtour begleitete er uns tagelang mit seiner typischen Gipfelfahne.
Nachmittags zog es meistens zu und wenn die Sonne hinter den Bergen verschwand, rutschten die Temperaturen in den Keller. Nebel zog durch die Täler, getrieben vom Wind, der in eisigen Höhen sein stürmisches Spiel trieb und lieferte die Erklärung auf die Frage, wieso die Bäume hier so dicht mit Flechten bewachsen sind.
Kazi stellte uns nach dem Lunch vor die Alternative, Khunde-Hospital besuchen oder Berge gucken. Wir entschieden uns sofort und einstimmig für letztere Variante. Und so geleitete uns Kazi hoch in sein ganz persönliches Theater, auf einen Hügel nahe Khumjung. Da standen sie im weiten Rund, weiß und strahlend im Sonnenlicht: Tramserku, die elegante Spitze der Ama Dablam, Nuptse, Everest, Lhotse - keiner weniger als 6.000 Meter hoch. Eine Kulisse, die weltweit seinesgleichen sucht. Stehen, schauen, staunen und nie mehr weggehen von hier.
Das Everestgebiet wird Spuren in der Seele hinterlassen.
Am frühen Nachmittag treffen wir in Khumjung ein. Khumjung, in 3.790 m Höhe gelegen, ist neben Namche Bazar der Hauptort des Tales. Hier gibt es ein für dortige Verhältnisse großes Schulungszentrum, eines der Hilfsprojekte Sir Edmund Hillarys.
Edmund Hillary gründete hier die nach ihm benannte "Hillary School", um den Sherpa-Kindern eine gute Schulbildung in ihrer eigenen Umgebung zu ermöglichen.
Auch Kazi, der in Jorsale lebt, ging hier zur Schule.
Auf dem Schulhof steht ein Denkmal zu Ehren Edmund Hillarys.
                                         Sir Ed lächelt unter seinem Schlapphut vom Sockel herab den Kindern zu,
                                         die an ihm vorbei in ihre Schulklassen strömen.
Die Sherpas verehren ihn sehr, hat er doch nach seiner Erstbesteigung des Mt. Everest im Jahre 1953 sehr viel für die Khumbu-Region getan. So entstanden durch seine Stiftung Schulen, Brücken, Krankenstationen und andere Hilfsprojekte.
In Khumjung gibt es auch die höchste Bäckerei der Erde, die "Everest Bakery", natürlich wieder mit frischem Apfelkuchen.
Die Lebensfreude der Sherpas, ihre Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, ebenso wie ihr Geschäftssinn, prägen das Leben in den Dörfern.
Auf dem von Pinien gesäumten Weg zu unserer 3. Lodge in Tashinga konnten wir am späten Nachmittag noch Moschus-Wild beobachten.
Schließlich erreichten wir über mehrere Mauern, die Felder abtrennen, die abseits gelegene neue Lodge über dem Tal des Dudh Kosi. Himalaya-Thar, die wilden Bergziegen, beobachteten uns gleich im Rudel.
Auch die "Everest Summit Lodge Tashinga" in 3.500 m Höhe, Sonnenplateau mit spektakulärer Sicht auf Ama Dablam, begeisterte uns. Der große, gut bestellte Gemüsegarten mit seinen riesigen Kohlköpfen und das Gewächshaus hinter der Lodge weckten unser Interesse. Natürlich war auch wieder unser Lieblingsplatz, die Sonnenterrasse, gleich besetzt. Die Berggipfel wurden am späten Nachmittag von der untergehenden Sonne angestrahlt, zum Schluß nur noch die Spitze von Ama Dablam. Die Farben änderten sich von Minute zu Minute.

Solche Augenblicke erlebt man nur einmal!
Wieder herzlicher Empfang bei dampfenden Tee und frischen Kuchen, dann eine heißbegehrte Dusche, bevor das schmackhafte Abendessen auf den Tisch kam. Und bei'm kühlen Bier am gemütlichen warmen Kanonenofen konnte man die Bilder des Tages in Ruhe vorbeiziehen lassen.
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